An der Schranke

(54° 54‘ 10,6“ N 8° 19‘ 15,6“ O)

Das dauert heute aber besonders lange.
Der Zug nach Hamburg ist doch schon durch.
Jedesmal wenn ich zum Aldi fahre,
denke ich,
fahr hinten rum zurück,
da hast du diese öde Warterei nicht.

Was schieben die denn für Waggons hin und her?
Wenn‘s noch länger dauert, muss ich auch noch auf den Zug aus Hamburg warten.
Jetzt ist doch nichts los.
Mann, mach die Schranke auf!

Ob ich umdrehe und am Bahnhof rumfahre?
Nachher geht sie auf, wenn ich gerade weg bin,
und wenn ich dann noch mal umdrehe,
ist sie wieder zu.

Was ich mit der Zeit alles anfangen könnte.
Wenn ich den Podcast schon runtergeladen hätte,
könnte ich mir das jetzt anhören.
Eigentlich sollte man sich ein Buch mitnehmen,
das man nur an der Schranke liest.
Da wär man schnell durch.
Und wer ist der Typ hier neben mir
mit dem ollen Rennrad,
braungebrannt und mit krausen Locken?
Sieht aus, als hätte er Spaß.
Vielleicht sollte ich ihn mal fragen,
was er so denkt an der Schranke.
Aber der findet das bestimmt seltsam,
wenn ich ihn einfach anquatsche.
Ich wollte ja eigentlich auch noch mal nach Indien.
Der Süden. Kerala. Bangalore.
Habe ich alles noch nicht gesehen.
Mir in Chennai im Kino einen Actionknaller ansehen.
Was hupst du so blöd, Spacken?
Ach, die Schranke ist hoch?
Na, dann los!

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Der Bahnübergang hinter dem Bahnhof Westerland ist eines der Verkehrsnadelöhre der Insel. Mehrmals pro Stunde geht die Schranke runter, bis zu zehn Minuten lang. Fast jeder hat hier schon mal gestanden und gewartet.

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